Minderheiten-Nationalitäten

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Obwohl knapp 92 % der chinesischen Bevölkerung Han-Chinesen sind, gehören den 55 offiziell anerkannten ethnischen Minderheiten (insgesamt „56 Nationalitäten“) und ca. 15-20 nicht offiziell anerkannten ethnischen Gruppen (z. B. Sherpa) zusammen weit über 100 Millionen Menschen an.

Tracht und Schmuck der Tibeter

  Vor einigen Jahren machte eine Freundin von mir eine Reise nach Tibet. Wegen des Sauerstoffmangels auf der Hochebene litt sie an Atembeschwerden. Aber als sie sah, daß die tibetischen Männer und Frauen in farbenprächtiger Tracht unter dem blauen Himmel auf dem Feld arbeiteten, war sie sehr begeistert. In ihren Augen war die Tracht der Tibeter so schön wie der Regenbogen und sie zeigt die Sehnsucht der Tibeter nach schönem Leben.

Na ja, die tibetische Tracht hat schon eine besondere Bedeutung. Im ursprünglichen Sinne ist sie nicht nur ein Symbol des Reichtums, sondern auch der tibetischen Kultur und Geschichte.
Die tibetische Tracht besteht aus Mantel, Jacke und Hemd. Normalerweise ist das linke Vorderteil größer als das rechte, und am Unterarm ist ein Knopf angenährt. Anstelle der übrigen Knöpfe sind bunte Stoffstreifen angenäht, die verknotet werden können.  
Die Weidegebiete im Norden Tibets sind sehr hoch gelegen, und es kommt sehr häufig zu strenger Kälte. Außerdem herrscht ein großer Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht, so daß die Hirten hier sehr gern Fellmäntel tragen. Die Hirtenmäntel sind so weit, daß man die Ärmel leicht an- und ausziehen kann. Zum Schlafen braucht man nur den Stoffgürtel zu lösen, und am Tag kann man leicht einen oder zwei Ärmel ausziehen und sie um die Taile binden. In diesem Kleidungstil drückt sich auch der unbefangene und lockere Charakter der Hirten aus. Beim Anziehen muß man den Mantel bis zu den Knien hochziehen, anschließend legt man den Gürtel an und läßt dann den Mantel los, so daß der Vorderteil über den Gürtel herunterhängt. So bildet der Vorderteil einen großen Sack, in dem man allerlei aufbewahren kann.
äntel der Männer sind am Ärmelaufschlag, am Rand des Vorderteils und am unteren Rand mit Säumen aus Baumwolle verziert. Die Mäntel der Frauen sind immer mit bunten Schürzen, auf Tibetisch "Bangdian" genannt. geschmückt. Die Hirten unter dem blauen Himmel mit weißen Wolken, um sie herum sind grüne Gräser, weiße Schneegebirge und Tiere - ein idyllisches Bild!

Die Tracht der tibetischen Bauern unterscheidet sich von der Tracht der Hirten durch ihre Materialien. Der Mantel ist meist aus Pulu (Wollstoff) gemacht. Die Tracht der Männer ist am Kragen, am Ärmelaufschlag, am Rand des Vorderteils sowie am unteren Rand mit Säumen aus bunter Baumwolle oder Seide geschmückt. Weil das Klima im Süden Tibetes viel wärmer als das im Norden ist, besteht der Mantel auch aus leichteren und dünneren Materialien. Im Sommer und im Herbst tragen die tibetischen Bäuerinnen ärmellose Mäntel, im Winter solche mit langen Ärmeln. Normalerweise sind die Ärmel hochgekrempelt, doch beim Tanz läßt man sie lang.

In Lhasa und Shannan, wo das Klima sehr warm und feucht ist, tragen Männer gefütterte Mäntel und Frauen Blusen mit langen Ärmeln..
Die Schürze, die auf Tibetisch "Bangdian" genannt wird, ist ein typisches Merkmal der tibetischen Frauentracht. Die Schnürzenweberei im Distrikt Chi-desgik im Kreis Konggar gehört zu den berühmtesten Webereien in Tibet. Sie besteht schon seit 500 Jahren. Daher wird Konggar als die Heimat der Schürzen bezeichnet. Nach den tibetischen Gepflogenheiten dürfen nur verheiratete Frauen Schnürzen tragen, Mädchen aber nicht.

An Festtagen tragen die Tibeter gern ihre farbenprächtige Tracht, so z.B. beim Pferderennen, das jährlich in Nagqu veranstaltet wird. Dann tragen die Männer schwarze, blaue oder gelbe Fellmäntel und an ihre Gürtel hängen sie ein traditionelles Feuerzeug, ein Messer, ein Schnupftabakfläschen, Silbermünzen und anderes. Die Frauen tragen auf dem Kopf Schmucksachen aus Gold, Silber oder Kupfer. Sie schmücken sich vom Kopf bis zu Fuß mit großen Ohrringen, Halsketten und Silbermünzen. Das ist wirklich eine Ausstellung der tibetischen Tracht.

Die Tibeter betrachten ihre Tracht als Symbol des Reichtums und der Schönheit. Beispielsweise kaufen die Einwohner in Chamdong im Osten Tibets Schmucksachen, auch wenn die finanziellen Verhältnisse ihrer Familien sehr schlecht sind. So können die Schmuckgegenstände eines reichen Tibeters einige hunderttausend Yuan RMB wert sein.
Tibet ist ein Gebiet, wo sich alle Bewohner zum buddhistischen Glauben bekennen. Im 7. Jahrhundert brachten die Prinzessin Wencheng aus China und Prinzessin Bhrikuti Devi aus Nepal Buddhastatuen nach Tibet. Nicht lange danach verbreitete sich der Buddhismus in Tibet und er entwickelte sich zu einem tibetischen Buddhismus mit besonderen Eigenheiten.
Der Buddhismus hat nicht nur Einfluss auf die Weltanschauung und die Sitten der Tibeter, sondern auch auf ihre Tracht ausgeübt. Im Alltagsleben betrachten die Tibeter weiß als die Farbe des Glücks und der Heiligkeit. Sie benutzen weiße Stoffe zur Herstellung ihrer Tracht oder zum Schmücken ihrer Kleidung.

Verbesserte Verkehrsverbindungen zwischen Tibet und der Außenwelt haben den Warenaustausch sehr stark gefördert. Anzüge, Jeans und modische Kleidung sind in Tibet eingeführt. Ältere tibetische Frauen tragen gern eine moderne Jacke zu ihrem Rock. Auf ihren Köpfen glänzen Jinhua-Hüte mit ihren goldenen und silbernen Seidenstreifen in der Sonne. Für diesen Wandel gibt es zwei wichtige Gründe: zum einen ist die traditionelle tibetische Tracht in der moderen Arbeitswelt unpraktisch und zum anderen ist sie ein Zeichen für Tibets Öffnung nach Außen.

Umgekehrt ist der Schmuck der jungen Frauen in anderen Teilen Chinas auch von der tibetischen Tracht beeinflusst. Beispielsweise tragen sie silberne Halsketten aus tibetischen Achaten oder Handketten aus tibetischem Türkis

Auch die Modedesigner haben Kleidungstücke im tibetischen Stil entworfen. Auf der ersten Messe für traditionelle chinesische Trachten, veranstaltet im Juli 2000 in Kunming, Provinz Yunnan, fand die tibetische Tracht bei vielen Teilnehmern guten Anklang. Besonders erwähnenswert waren einige 300jährige Kleidungsstücke aus dem tibetischen Bezirk Diqing in Yunnan, die mit goldenen und silbernen Seidenstreifen, Perlen und Achaten geschmückt sind. Daraus ist nicht nur die Schönheit der tibetischen Tracht, sondern auch die Entwicklung der tibetischen Geschichte zu ersehen.

Die regenbogenfarbige Heimat der Tu-Nationalitaet

Wenn die Städter bereits an Hektik und Lärm der Stadt gewöhnt sind und sie als Bestandteil des Alltagslebens empfinden, sollten sie einmal aufs Plateau Qingzang (Qinghai-Tibet) im Westen Chinas reisen. Dort gibt es blauen Himmel, weiße Wolken, grüne Berge und Wiesen sowie im Sonnenschein schillernde Rapsblüten. Die Landschaft vermittelt ein klar gegliedertes, dreidimensionales Bild; die Einwohner leben in vollendeter Harmonie mit der Natur.
Im Nordosten der Provinz Qinghai liegt der einzige autonome Kreis der Tu-Nationalität in China, der autonome Kreis Huzhu. Dort leben 70 000 Einwohner der Tu-Nationalität. Die einzigartige Landschaft und die Sitten und Bräuche der Einwohner wirken wie ein Magnet auf Touristen und Ethnologen, die das Brauchtum sowie die Tier- und Pflanzenwelt in der Heimat der Tu-Nationalität kennen lernen wollen.    
Die Vorfahren der Tu-Nationalität waren einst Nomaden, die auf dem Steppenland das Königreich Tuguhun gegründet hatten, das 300 Jahre bestand. Nach dem Untergang des Königreichs in der Mitte des 7. Jahrhunderts hat sich in der Region Hehuang in Qinghai durch Verschmelzung mit Mongolen, Han-Chinesen und Tibetern eine neue Nationalität, die Tu-Nationalität, herausgebildet. Seit eintausend Jahren leben die Angehörigen der Tu-Nationalität in diesem schönen und sagenumwobenen Land und haben sich von Nomaden zu bodenständigen Bauern entwickelt.

Die Anmut des Regenbogens


Man pflegt die Tu-Nationalität als die „Nationalität des Regenbogens“ und ihren Wohnort als die „Heimat des Regenbogens“ zu bezeichnen. Die Tu-Nationalität verherrlicht die Natur, für sie ist der Regenbogen eine bewundernswerte Naturerscheinung. Das zeigt sich besonders deutlich in ihren Trachten. Der Kopfschmuck der Frauen der Tu-Nationalität ist der „Niuda“, ein vielfarbiger, schön gestalteter Schmuck. Die Jackenärmel der Frauen sind mit fünffarbigen (rot, gelb, grün, blau und weiß) Stoffen bzw. Seiden genäht. Trägt man ein solches Kleidungsstück, vemittelt es den Eindruck, als ob man im Regenbogen stünde. Die jeweilige Farbe hat auch ihre eigene symbolische Bedeutung: rot bedeutet die Sonne und das Glück, gelb die große Erde und die Ernte, grün Pflanze und Hoffnung, blau imaginäres Meer und Stille, weiß Schaf- und Rinderherde und Segnung. Mit diesen Farben sind die guten Wünsche der Angehörigen der Tu-Nationalität nach einem glücklichen Leben verbunden.

Mit der Heimat der Tu-Nationalität bestehen heute günstige Straßenverbidung. Fährt man von der Provinzhauptstadt Xining 30 km nach Norden, erreicht man die Kreisstadt Weiyuan. Der Glocken- und Trommelturm in der Mitte der Stadt hat zahlreiche umwälzende Ereignisse in der Vergangenheit überstanden. Er wurde in der Ming-Dynastie (1368-1644) gebaut und ist heute 377 Jahre alt. Um die Kreisstadt Weiyuan herum sind vielfältige touristische Sehenswürdigkeiten verteilt.

Geht man von der Straße Pingda aus 14 km in westlicher Richtung, erreicht man den Tempel Fünf Gipfel. Dort gibt es reißende Wasserfälle, dichte Wälder und seltene Vögel, und alte Bauwerke stehen vereinzelt in dieser Landschaft. Geht man dann 15 km in nördlicher Richtung, kommt man im Landschaftsgebiet der Schlucht Südtor an. An der Schlucht und am See ragen alte Bäume zum Himmel empor, man sieht außerdem noch weite Felder mit Rapsblüten und große Schaf- und Rinderherden. Geht man weiter in östlicher Richtung, erreicht man den Tempel Youning, dessen Sutra-Hallen in prunkvoller Dekoration erstrahlen. In diesem Tempel sollen in seiner Blütezeit über 7000 Mönche gelebt haben.

Der Kreis Huzhu ist eine Region, in der neben den Tu und Han-Chinesen noch Tibeter und Angehörige der Hui-Nationalität leben. Wegen ihres unterschiedlichen historischen und kulturellen Hintergrunds sind verschiedene Religionen wie der Buddhismus, der Lamaismus, der Islam, der Daoismus und das Christentum vertreten. Dementsprechend gibt es verschiedene religiöse Stätten. 70 km nördlich der Kreisstadt liegt der Staatliche Waldpark Nordberg, er hat eine Fläche von 113 000 ha und ist einer der größten Wälder in der Provinz Qinghai. Es gibt Dutzende von Sehenswürdigkeiten. Das Landschaftsbild ändert sich mit dem Wechsel der Jahreszeit. Da bieten sich verschiedene schöne Anblicke. Besonders zu erwähnen sind der Große Hule-See und der Kleine Hule-See, die wie zwei Perlen den 3700 m hohen Gipfel einfassen. Damit erhält das Landschaftsgebiet eine besondere Anziehungskraft.

Der Park ist nicht nur ein Naturlandschaftsgebiet, sondern auch ein botanischer und zoologischer Garten, in dem über eintausend Spezies beheimatet sind. Sie ist damit die artenreichste Gegend in der Provinz Qinghai.

Rad-Gymnastik und Anzhao-Tanz

Die Rad-Gymnastik ist auf eine volkstümliche Betätigung zurückzuführen, die man auf dem Dreschplatz treibt. Dort stellt man die großen Handkarren senkrecht und macht Gymnastik auf dem Rad. Im Lauf der Zeit hat man die groben hölzernen Räder zu fein bearbeiteten speziellen Rädern entwickelt und diese Gymnastik vom Dreschplatz auf die große Bühne der Großstädte verlegt. Die Rad-Gymnastik wurde auf dem Sportfest der nationalen Minderheiten des ganzen Landes fünfmal mit einem Preis ausgezeichnet und mit großem Erfolg auf dem Festival der volkstümlichen Kunst Chinas in Hongkong aufgeführt.

Der Anzhao-Tanz ist der älteste und repräsentativste Tanz der Tu-Nationalität. Die Vorfahren der Tu-Nationalität haben in ihrer langen Zeit als Nomaden und Krieger besonders charaktervolle Tanzarten für den Sieg, die Ernte und die Hochzeit entwickelt. Sie tanzten um ihre Filzzelte und das Lagerfeuer. Dieser in alter Zeit geschaffene Tanz nimmt heute feste Formen an: Partnertanz und Gruppentanz im Kreis. Der Anzhao-Tanz stellt eine kunstvolle Kombination von Gesang und Tanz dar, in dem die Angehörigen der Tu-Nationalität ihre Lebensgefühle und zugleich ihre freundliche Begrüßung für die Gäste zeigen.

Der Anzhao-Tanz ist mit vielen Symbolen ausgestattet. Wenn die Tänzer ihren Kopf nach unten senken, dann bedeutet das, dass sie die Erde anbeten; wenn sie ihre Ärmel nach oben werfen und ihre Blicke zum Himmel richten, dann bedeutet das ihre Verehrung des Himmels. Außerdem werden durch symbolhafte Handbewegungen und Schritte ihre Gastfreundschaft und freundliche Lebensgefühle zum Ausdruck gebracht. Die Rad-Gymnastik und der Anzhao-Tanz passen gut zusammen. Um die Rad-Gymnastik in der Mitte wird ein Gruppentanz im Kreis aufgeführt.