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Zhuang Nationalität, die größte Minderheit in China

Die ethnische Gruppe Zhuang ist mit fast 18 Mio Mitgliedern die größte der 55 Bevölkerungsgruppen Chinas. Die meisten Mitglieder bewohnen die autonome Guangxi Zhuang Region und die Yunnan Provinz. Außerdem sind über die Guangdong, Hunan, Guizhou und Sichuan Provinzen Südchinas weitere verstreut.

Die Zhuang Bevölkerungsgruppe verständigt sich mit ihrer eigenen Sprache, die üblicherweise in nördliche und südliche Dialekte unterteilt wird. Im Jahre 1953 veröffentlichte die Chinesische Regierung ein neues Sprachsystem von Zhuang Buchstaben, welche an das lateinische Alphabet angelehnt waren. Dieses System wurde allerdings nie großräumig genutzt. Die meisten Leute benutzen Han-Chinesische Buchstaben.

Mitglieder der Zhuang beten hauptsächlich ihre eigenen Vorfahren und die Natur an. Nach der Tang (618-907) und der Song Dynastie (960-1279) verbreiteten sich Buddhismus und Taoismus in Zhuang Gebieten und es wurden entsprechende Tempel erbaut. Später wurden auch das Christentum (sowohl katholisch, als auch protestantisch) eingeführt, aber der Einfluss war nur gering.

Geschichte

Schon in der Altsteinzeit siedelten sich die ersten Zhuang-Menschen in der Guangxi-  und Guangdong-Provinz und auch in Teilen der Jiangxi- und Hunan-Provinzen an. Sie lebten und arbeiteten zusammen und waren auch bereits in der Lage Steinwerkzeuge zu benutzen.

Essgewohnheiten

In Zhuang-Gebieten werden vor allem Reis und Mais angebaut, weswegen sie zum Grundnahrungsmittel der Zhuang-Leute wurden. Täglich werden viele Gemüsesorten in Form von Suppe oder in der Pfanne gebraten konsumiert. Im Grunde essen die Zhuang alle möglichen Fleischsorten. Das Fleisch und das Gemüse werden nicht ganz gar gekocht. Dies soll den frischen Geschmack der Zutaten erhalten. Selbstgemachte Essiggurken sind auch sehr beliebt, weil die Leute gerne saure und würzige Gerichte essen.

Zu Festen und um Gäste zu unterhalten wird hausgemachter Reiswein serviert. Reiswein ist mild und enthält nur eine geringe Menge an Alkohol. Während des Tomb-Sweeping-Day am 4. - 6. April und während des Sing-Festivals am 3. Mai des Mondkalenders wird klebriger Reis in fünf Farben serviert. Es werden die Säfte von fünf verschiedenen Pflanzen benutzt, um den Reis einzuweichen und in schwarz, rot, gelb, violett und weiß zu färben. Anschließend wird der Reis gegart. Der fertige Reis ist bunt, Nährstoffreich und duftet herrlich.

Architektur-Stil

Die Zhuang bewohnen gerne Täler, die von Bergen und Wassern umgeben sind. Die Fassaden der Häuser sehen dem Farmland entgegen. Sie sind schön beleuchtet und von dort aus haben die Leute eine weite Sicht. Die Häuser werden aus Holz erbaut und mit Ziegeln oder Stroh bedeckt. Errichtet werden die Häuser im Ganlan-Stil (auch Diaojiaolou genannt), was bedeutet, dass das Fundament nicht direkt auf dem Boden steht, sondern auf Pfählen errichtet wird. Einige andere Bevölkerungsgruppen Chinas, wie zum Beispiel Dong, Miao und Yao, teilen diesen Hausstil.

Das Haus hat üblicherweise zwei Etagen. Die untere Etage besteht aus Pfählen, die das Haus tragen und zwischen diesen Pfählen werden durch Bambus und Holzbretter Wände gezogen, um in den so entstehenden Räumen Tiere zu halten oder Werkzeuge und Feuerholz zu verstauen. Im oberen Geschoss wohnen auf drei bis fünf Räumen die Familienmitglieder zusammen. Manche Häuser haben auch einen Dachboden oder einen Anbau.

Kostüme und Kunsthandwerk

Traditionelle Gewandungen werden in ethnischen Gebieten zu besonderen Anlässen getragen. Geschickte Zhuang-Frauen fertigen aus handgewebtem Stoff Kleidung in verschiedenen Stilen. Normalerweise tragen Mädchen eine blau-schwarze kragenlose Jacke mit hellen Falbeln, weite Hosen oder einen gebatikten Rock, und eine fein bestickte Schürze wird in der Taille gebunden. Jungen tragen einen vorne offenen schwarzen Mantel mit stoffüberzogenen Knöpfen, der mit einem Gürtel geschlossen wird. Zhuang-Leute mögen silberne Accessoires.

Zhuang-Brokat ist einer der vier berühmten chinesischen Brokate. Die anderen drei sind der Yun-Brokat aus Nanjing, der Shu-Brokat aus der Sichuan-Provinz und der Song-Brokat aus Suzhou. Diese schöne Handwerkskunst kommt ursprünglich aus der Song-Dynastie (960-1267 AD). Die Brokate werden aus Baumwolle, Seide und Flax-Fäden in farbenfrohe Muster gewebt. Bilder von Blumen, Pflanzen und Tieren werden am meisten übernommen. Der Brokat ist sehr haltbar und wird vor allem benutzt, um Bettbezüge, Handtaschen, Schürzen, Tischwäsche, Schals, Wandschmuck oder Kissen herzustellen.

Ein weiteres traditionelles Handwerk der Zhuang ist der Xiuqiu. Es handelt sich hierbei um einen bestickten Ball, der als Symbol für Liebe und Zufriedenheit gilt. Die Bälle werden aus Seidenstoff gefertigt und haben zwölf verbundene Blütenblätter. Jedes Blütenblatt repräsentiert einen Monat und zeigt entsprechende Blumen, Pflanzen oder Vögel. Üblicherweise sind die Bälle rot, gelb oder grün. Ursprünglich waren Xiuqiu ein Liebesgeschenk. Ein Zhuang-Mädchen warf einem jungen Mann, der ihr gefiel, einen solchen Ball zu, um diesen zu verstehen zu geben, dass er  ihr den Hof machen durfte.

Bräuche

Fest der Zhuang Minderheit

Zhuang-Leute sind monogam. Es gibt bei ihnen nur zwei Formen der Ehe, eine davon ist frei, die andere wird von den Eltern arrangiert. Normalerweise haben die jungen Männer und Frauen genug Freiheit, selbst zu entscheiden, wen sie lieben. Allerdings gibt es oft elterliche Einmischungen. Sowohl Männer, als auch Frauen gelten als Arbeitskraft der Familie. Doch nur Männer dürfen das Familieneigentum erben.

Es gibt eine seltsame Heirats-Tradition unter den Zhuang – die Braut betritt das Haus ihres Bräutigames nach der Hochzeit nicht. Stattdessen kehrt sie am Tag nach der Eheschließung in das Elternhaus zurück. Nur an wichtigen Festen oder während einer besonders geschäftigen Erntesaison wohnt sie vorübergehend bei ihrem Ehemann. Erst wenn die Frau schwanger wird, beginnt sie auf Dauer bei ihrem Mann im Haus zu wohnen. Bevor dies geschieht wohnen Ehemann und Ehefrau oft 2 bis 3 Jahre oder sogar länger getrennt. Diesem Brauch wird heute vorgeworfen, die Beziehung des Paares beeinträchtigen, weswegen er nach und nach verschwand.

Die Zhuang singen sehr gerne und ihre Gebiete sind sogar als "Ozeane der Lieder" bekannt. Während ruhigen Ernteperioden, Feiertagen oder Festen, oder während Hochzeiten oder Begräbnissen, werden von den Zhuang sogenannte Gexu (Gesangsmessen) abgehalten. Zu diesen Gelegenheiten tragen junge Leute aus Nebendörfern ihre schönsten Kleider und treffen sich auf solch einem Gexu, um zu singen oder einen möglichen Geliebten zu treffen.

Feste

Neben der Tatsache, dass die Zhuang Leute viele Feste mit den Han Leuten gemeinsam haben, feiern sie auch ihre eigenen Feste und Zeremonien. Dabei gibt es das Geisterfest und das Singfest, die die wichtigsten Feste sind.

Das Geisterfest fällt auf den 14. Juli in dem Mondkalender und ist üblicherweise als das wichtigste Fest nach dem Frühlingsfest (vom 1 Januar im Mondkalender). Es ist für die Andacht an die Vorfahren und die späteren Familienmitglieder. An diesem Tag stoppt jede Familie die Arbeit mit dem Ackerbau, säubert das Haus und geht sammeln, um sich auf die Opferungen vorzubereiten. Die Opferungen beinhalten Entenfleisch (ein Muss), Reis, Ciba (Reiskekse), Früchte und andere Zutaten. Nach den Opferungen werden die Familienmitglieder in einem Kreis sitzen an dem Tisch und gemeinsam ein Familienessen haben.

Das Singfest, das am 3. März im Mondkalender stattfindet, ist ein traditionelles Fest für die Vorfahren von Liu Sanjie (dritte Schwester Liu), eine legendäre Volkssängerin der ethnischen Gruppe der Zhuang während der Zeit der Tang Dynastie (618 – 907 AD). Sie war sehr bekannt nicht nur wegen ihrem schönen Gesang, sondern auch wegen ihrem Mut in der Konfrontation mit den lokalen Tyrannen. Ein Film von 1960 erzählt ihre Geschichten und machte Liusanjie zu einem bekannten Namen in ganz China.

An diesem Tag werden die Leute auch aus den nahegelegenen Dörfern zusammen kommen auf einem öffentlichen Platz, um diesen festlichen Tag zu feiern. Fünffarbigen Reis, gefärbte Eier und viele andere Gerichte sind dafür vorbereitet. Das ist auch eine sehr gute Möglichkeit für die jungen Leute, um ihren Liebsten zu finden. Die erwachsenen Sänger singen zusammen und versuchen die anderen dadurch zu verblüffen, indem sie lyrische Zeilen erfinden, die der andere nicht übertreffen kann. Wenn ein Mädchen und ein Junge sich dann verlieben, wirft das Mädchen einen bestickten Ball dem Jungen hin und der Junge wird ihr im Gegenzug ein Geschenk anbieten.

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